IKEA hat ja ein so sympathisches und grünes Image. Die reale Unternehmenspolitik sieht aber ganz anders aus. Aggressive Steuervermeidung, Transfers von Milliardengewinnen in die Karibik sind Alltag, gleichzeitig werden Kosten gedrückt so gut es geht, vor allem beim Personal.
Viele Menschen könnten in Österreich zusätzlich Arbeit finden, wenn weniger Überstunden geleistet würden. Der ÖGB fordert deswegen eine Arbeitszeitverkürzung. In dem Infovideo unten wird erklärt, welche Chancen sich daraus ergeben würden.
Der Standard bat den Sozialminister und einen Investmentbanker zum Dialog, um über Reichtum, Umverteilung, Vermögenssteuern zu sprechen. Die Ausgangslage ist interessant, man erwartet sich, dass hier Weltansichten aufeinanderprallen – und das war auch so. Staat vs. privat sozusagen. Hundstorfer, der sich ziemlich moderat gab, würde gerne die reicheren Staatsbürger mehr zur Kasse bitten, Stichwort soziale Gerechtigkeit. Gerald Hörhan, der Autor von “Investment Punk: Warum ihr schuftet und wir reich werden”, medienaffin und meinungsstark, wollte davon naturgemäß nichts wissen. Direkt darauf angesprochen, in welchen Bereich er zu Konzessionen bereit wäre, um die weniger Vermögenden zu unterstützen, meinte er:
Man sollte steuerlich auf der ökologischen Seite etwas tun. Ich bin ein begeisterter Autofahrer, und ich fahre gern schnell. Trotzdem würde ich sagen: Erhöhen Sie den Benzinpreis. Und von mir aus führen Sie eine Vignette fürs Schnellfahren ein, die kostet eben entsprechend. Dann zahle ich um einiges mehr.
Erhöhung der Mineralölsteuer also. Aber ich will hier ja nicht in die Diskussion Ökosteuer vs. Massensteuer abdriften. Also gucken wir uns den zweiten Vorschlag des jungen Ökonomen an, die Vignette fürs Schnellfahren. Rasen gegen Aufpreis sozusagen. Aber Halt! Gab es da nicht schon etwas? Strafen von der Verkehrspolizei vielleicht? Sollten wir die Reichen aufrufen, mit Geschwindigkeitsübertretungen dem Sozialstaat unter die Arme zu greifen? Oder sollte das eingehobene Bußgeld lieber in den Ausbau des Straßennetzes fließen? Schade, dass der Interviewer da nicht nachgebohrt hat. Die Antworten hätte ich gerne gelesen.
Eine Sendung, die einen langen Rechtsstreit nach sich zog: Im April zeigte das NDR die erste Folge von „Die KiK-Story“, die die schlechten Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in Deutschland und in Bangladesch dokumentiert. Der Textildiskounter wollte die Ausstrahlung mehrerer Aussagen des Films gerichtlich verbieten lassen, blitzte aber ab.
Kik gab schließlich Fehler bei der Personalführung zu und gelobte Besserung. Was ist seither geschehen? Die Sendungsmacher haben weiter recherchiert, am 4. August wurde auf NDR “Die KiK-Story 2: Zensurversuch gescheitert” ausgestrahlt. Die Dokumentation berichtet über die Versuche von KiK, sich als sozialer Wohltäter zu gerieren, lässt ehemalige Mitarbeiter zu Wort kommen besucht nocheinmal die Schauplätze in Bangladesh.
Immer wieder machen Call Center in Österreich Negativschlagzeilen. In den Unternehmen wird teilweise systematisch das Arbeitsrecht ignoriert, erbrachte Leistungen werden nicht korrekt ausbezahlt. Die Bediensteten stehen unter enormem Druck, Vorgaben zu erfüllen, und werden darüberhinaus wie in kaum einer anderen Branche ständig überwacht.
Einen wirklich krassen Einblick in diese Misstände liefert der Artikel “Das ist eine Schlangengrube” auf diestandard.at. Die Autorin beschreibt darin die Arbeitsbedingungen bei dem Unternehmen CCC, das in Wien ein Call Center betreibt. CCC duldet keinen Betriebsrat und entließ Mitarbeiter, die sich zur Wahl aufstellen lassen. Seinen Urlaub darf nur antreten, wer Überstunden geleistet hat, Krankenstände werden dagegen als “Minus-Stunden” abgerechnet. Jeder Arbeitschritt und jede Pause werden genauestens kontrolliert.
Kontrolle findet im Competence-Call-Center auf unterschiedliche Weise und durch unterschiedliche Personen statt. Durch die technische Erfassung der Tätigkeit am Computer ist für TeamleiterInnen ablesbar, wer wie viele AnruferInnen bedient hat, wer wann und wie lange die Pause konsumiert und wer wie oft und wie lange auf die Toilette geht. Gespräche können von den Führungskräften jederzeit und ohne, dass der/die Agent es bemerkt, mitgehört werden. Toiletten-Gänge werden neben der benötigten Zeit auch insofern kontrolliert, als dass TeamleiterInnen darauf achten, dass auf den Toiletten nicht telefoniert wird, denn private Telefonate sind untersagt.
Besonders perfide finde ich außerdem das Instrument der “Leistungsranglisten”, die jeden Monat an alle Mitarbeiter verteilt werden. Sie tragen dazu bei, dass der Druck und die Aggressionen innerhalb der Gruppe auf diejenigen konzentriert werden, die die schlechteste “Performance” zeigen. Dieser unerträgliche Zustand ist bei CCC geradezu institutionalisiert und wahrscheinlich sogar gewollt. Das macht mich wirklich fassungslos!
Die Unternehmen können natürlich argumentieren, dass niemand wirklich vorhersagen kann, wie nachhaltig der Aufschwung ist und dass sie deshalb auf flexible Arbeitskräfte angewiesen sind, um die derzeitigen Produktionsspitzen abzudecken. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen aber zu, dass das Modell Leiharbeit sozusagen zum Nomalfall wird – in einigen Betrieben stellen Leiharbeiter schon die Mehrheit der Beschäftigten! Mehr von diesem Artikel lesen
Außenminister Michael Spindelegger befürchtet, dass unser Sozialsystem bis 2030 zusammenkracht, wenn nicht 100.000 Zuwanderer – am liebsten mit guten Qualifikationen und Deutschkenntnissen – ins Land geholt werden. Seine Forderung nach der Einführung einer Rot-Weiß-Rot-Card, die den Migrationsstrom steuern soll, hat in den letzten Tagen ein breites Medienecho erzeugt.
Gestern hat sich auch der Salzburger GKK-Obmann Siegfried Schluckner zu dem Thema zu Wort gemeldet. Er vermutet hinter der Forderung der Wirtschaft nach Zuwanderung eher den Wunsch, die Löhne weiter zu drücken. Eine genauso wirksame Maßnahme zur Stabilisierung des Sozialsystems wäre dagegen, den Boden für prekäre Arbeitsverhältnisse auszutrocknen. Die gängige Praxis zeige nämlich, dass Zuwanderer überwiegend im Gastgewerbe, Transportgewerbe und in Metallbetrieben, und nicht in qualifizierten Tätigkeiten, beschäftigt werden. Die Mitarbeiter werden teils nicht korrekt angemeldet und bezahlt, nicht versichert oder schwarz beschäftigt, Arbeitszeitenregelungen nicht eingehalten. Die GKK treibt deswegen jedes Jahr Millionen an Nachzahlungen ein, weil Firmen ihre Mitarbeiter nicht gesetzeskonform beschäftigen. Für den Bestand des Sozialsystem wären es für Schluckner deshalb wichtiger, dass Firmen ihre Mitarbeiter, egal ob Aus- oder Inländer, korrekt anmelden und bezahlen. Mehr von diesem Artikel lesen
Manchmal ist es ja recht interessant zu sehen, was die “Konkurrenz” denkt . Beim Schmökern in der Online-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Chefinfo habe ich darüber hinaus einen spannenden Artikel gefunden, der sehr übersichtlich die Auswirkungen der digitalen Revolution auf den Arbeitsmarkt darstellt. Ich will einmal auszugsweise zitieren, der ganze Text findet sich unter dem Link oben.
“Das Online-Zeitalter löste die größte Revolution der Arbeitswelt seit der industriellen aus. Ganze Berufsgruppen verschwanden praktisch über Nacht und mindestens ebensoviele wurden völlig neu erschaffen. Das ist nicht nur an offensichtlichen Positionen wie Webdesigner oder Webmaster abzulesen, die Veränderung geht wesentlich tiefer als das. In Österreich beispielsweise führte sie dazu, dass viel stärker als noch vor zehn Jahren junge Kreative in prekären Arbeitssituationen landen. Freie Jobs, Projektmitarbeit und Neue Schein-Selbstständige sind mit dauernder Online-Verbindung sehr leicht zu realisieren. Für sehr viele hochgebildete Studienabgänger ist die Mischform aus freien Tätigkeiten und unbezahlten Praktika heute ebenso Realität wie die lebenslange Karriere in einem, vielleicht zwei Unternehmen bei den Eltern. Mehr von diesem Artikel lesen
Unglaublich eigentlich, was die Redakteure der ARD-Sendung Panorama zutage gefördert haben: KiK, der Textildiskonter, der seine Billigtextilien im Fernsehen von Verona Feldbusch… äh Pooth… anpreisen lässt, hat in Deutschland jahrelang systematisch die Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausspioniert. Wer privat in finanzielle Not geraten war, dem wurde die Kündigung ausgesprochen, denn offenbar hatte man in der Vorstandsetage Angst davor, dass überschuldete Mitarbeiter in den Filialen klauen würden.
Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelte deswegen bereits 2009 konnte aber keine Straftat nach dem Datenschutzrecht nachweisen, weswegen das Verfahren wieder eingestellt werden musste. Nun könnte aber neue Bewegung in den Fall kommen, denn der ehemalige KiK-Bezirksleiter Guido Hagelstede berichtet in Panorama offen über die Anweisungen von ganz oben. Schreiben, die diese Praktiken beweisen, liegen ebenfalls vor.
Die Staatsanwaltschaft sollte nun genügend in der Hand haben, um das eingestellte Ermittlungsverfahren wieder aufzunehmen. Von Seiten von KiK kam derweil nur die dünne Mitteilung: “Das von Ihnen angeführte Verfahren wird bei KiK nicht mehr praktiziert.” Die Sache sollte also eigentlich klar sein, aber zweifelsohne wird es vor Gericht noch lange dauern, bis klar ist, ob dem Diskonter wirklich ein Strafbestand nachgewiesen werden kann. Mehr von diesem Artikel lesen
Das zarte Pflänzchen Konjunktur erholt sich langsam, die schlimmsten Auswirkungen der geplatzten Finanzblase scheinen fürs Erste überstanden. Österreichische Firmen, zumal die exportorientierten Produktionsbetriebe, schreiben neue Jobs aus, doch weil sie dem Aufschwung nicht trauen, wenden sie sich oft an Arbeitskräfteüberlasser.
Nach der Krise ist vor der Krise, das gilt auch für diesen Bereich. Die AK Kärnten hast festgestellt, dass die Zahl der Leiharbeiter im BZÖ-regierten Bundesland im ersten Halbjahr 2010 um 30 Prozent angestiegen ist. In manchen Betrieben bestehen gar bis zu 60 Prozent der Belegschaft aus Leiharbeitern. Der Arbeiterkammerpräsident Günther Goach kritisiert deshalb zurecht, dass die ursprüngliche Intention hinter der Regelung – Leiharbeit für Auftragsspitzen, die einige Wochen lang andauern – systematisch umgangen wird, um das Arbeitsrecht auszuhebeln. Mehr von diesem Artikel lesen
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